Im Jahre 1522 wurde in Glashütte von Berg- und Geschäftsleuten zum eigenen Schutz und zum Schutz der Silberbergwerke ein Verein gegründet. Dieser Knapp- und Schützenverein hatte die Aufgabe, die Bürger und das Eigentum der Glashütter, vor den zu dieser Zeit marodierenden Banden, die ihr Unwesen trieben, mit Waffen zu schützen. herzog georgBereits zu dieser Zeit wurden von diesen Schützengilden, welche auch in anderen Orten der Region bestanden, bei Volksfesten Vogelschießen abgehalten.

Im Jahre 1532 begnadigte der Wettiner Herzog Georg der Bärtige diese Knapp- und Schützengesellschaft mit einem ausdrücklichen Privilegium zu einem freien Vogelschießen. Es nannte sich frei, da dies von den damals bestehenden Abgaben wie Tranksteuer u.a. entweder ganz oder zum größten Teil befreit war. Der Schützenkönig erhielt eine bestimmte Menge Freibier und genoss bis zu seiner Ablösung Steuerfreiheit!

Somit ist das offizielle Gründungsjahr unserer „Privilegierten Schützengesellschaft zu Glashütte Sachsen e.V.“ das Jahr 1532.

Das Schützenfest wurde in Glashütte ein Volksfest und seit der Gründung im Jahre 1532 auf dem sogenannten Hüttenplane (der heutigen Festwiese) abgehalten, wobei auch später noch Herzog Georg der Bärtige oft an diesem Ereignisteilnahm.

Ebenfalls im Jahr 1532 schenkte er der Privilegierten Schützengesellschaft zur Gründung eine silberne doppelte „Vogel-Königskette“. An dieser hing ein großer silberner Vogel, der auf dem Kopf ein vergoldetes Kränzchen, in den Augen Rubine, auf der Brust einen Pfeil, im Schnabel Schlägel und Eisen hatte und mit beiden Füßen auf einem Ast stand, an dem einige vergoldete Schilde hingen. Auch einen kunstvoll gestalteten Marschallstab schenkte er dem Verein.

In den folgenden Jahren von 1532 bis 1618 erfreute sich der Verein einer ungestörten Entwicklung. So wurde die Schützenkette auf Grund der jährlich durchgeführten und den vom jeweiligen Schützenkönig gestifteten silbernem Anhängeschild ein immer größerer Wert. Auch der nachfolgende Landesherr Kurfürst Moritz, schützte und förderte die Schützengesellschaft.

                                                                                                                                                                                                       Herzog Georg der Bärtige                

Durch den von 1618 bis 1648 hereinbrechenden 30-jährigen Krieg kam auch über unsere Stadt bittere Not und Armut. Durch Kriegsgräuel, Seuchen, brandstiftene und mordende herumziehende Horden wurde die Bevölkerung unseres Gebietes auf das Ärgste in Not gebracht. Bewundernswert ist, dass trotzdem von den Angehörigen des Schützenvereines viele einzigartige kirchliche Gegenstände und auch die wertvolle „Vogel-Königskette“ in den Schächten der Silberbergwerke verborgen und somit gerettet werden konnten.

Erst im Jahre 1676 wurde in Glashütte wieder ein Vogelschießen abgehalten. Finanziell bestand für die Schützengesellschaft in dieser Zeit eine so große Not, dass sie dadurch leider gezwungen war 65 silberne Königsschilde der Schützenkette zu verkaufen.

Auf Grund von Kriegswirren von 1677 bis 1709 sind aus dieser Zeit keine Überlieferungen bekannt.

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Erst 1710 wird wieder von einem großen Königsvogelschießen berichtet. Dieses Fest ging drei Tage, wobei mit der Armbrust nach dem Vogel geschossen wurde. Kurz nach dem Fest gab es jedoch für die Schützengesellschaft ein sehr trauriges Ereignis. In der Nacht vom 24. zum 25. August 1710 drang während eines heftigen Gewitters der berüchtigte Kirchenräuber Lips Tullian in die Kirche von Glashütte ein und raubte aus der Sakristei neben vielen anderen Wertgegenständen die wertvolle silberne Königskette der Schützengesellschaft, welche zum Verkauf von ihm eingeschmolzen wurde. Lips Tullian wurde zwar am 8. März 1715 vor Dresden-Neustadt enthauptet, die Königskette jedoch war für alle Zeit unwiederbringlich verloren.
Allmählich wurde durch Stiftungen von Mitgliedern, Schützenkönigen und Gönnern eine neue Kette angeschafft.

Bis 1747 wurde das Vogelschießen mit Unterbrechungen jährlich durchgeführt. Im Jahr 1608 wurde erstmalig mit der Büchse auf den Vogel geschossen. Trotz Kriegen und wirtschaftlichen Nöten schafften es unsere Vorfahren immer wieder, die Privilegierte Schützengesellschaft am Leben zu erhalten und ihre Vogelschießen abzuhalten.

Im Jahre 1817 wurde der Schützenverein erstmals neu gegliedert. Aus dem uniformierten Teil der Schützengilde entstanden wegen ihrer Blauen Uniformröcke die „Blauen Schützen“ und die älteren Herren bildeten die Honneur- oder Ehrenschützen, welche auf Grund ihres schwarzen Festtagsrockes und Zylinder auch als „Schwarze Schützen“ bezeichnet wurden.

1868 wurde von Uhrenfabrikanten Moritz Großmann die Einführung einer neuen Einheit im Verein gegründet, den „Freihand-Scharfschützen“, den sogenannten „Grauen Schützen“. Mitglieder dieser Abteilung waren Fabrikanten wie z.B. Richard Lange und Gustav Gutkäs.

Die traditionsreiche Geschichte des Vereines wurde 1939 wieder mal für eine sehr lange Zeit unterbrochen. Erst durch die NS-Regierung und später durch die DDR-Regierung wurden Schützenvereine verboten.

Erst nach 60 Jahren, am 30.April 1992 wurde auf Anregung des damaligen Bürgermeisters Frank Reichel die „Privilegierte Schützengesellschaft zu Glashütte/Sa. e.V. 1532“ auf einer Wiedergründungsversammlung erneut zum Leben erweckt. Die damaligen Gründungsmitglieder waren Walter Martin, Uwe Bahr, Jörg Schlaubke, Harry Lieber, Helfried Leipnitz, Alfred Schlaubke, Frieder Einhorn und Wolfgang Barthel.

vogelschiessenIm gleichen Jahr wurde am 20. September, mit inzwischen 20 Mitgliedern, das erste Vogelschießen nach alter Manier auf der Festwiese mit der Armbrust abgehalten. Auch eine Schützenkette wurde aus Ermangelung der alten Traditionskette nach altem Vorbild wieder angeschafft.

 

 Seit dem Neubeginn 1992 konnten folgende Schützenkönige gekürt werden:

1992 Frank Leipnitz Dresden
1993 Karin Weinhold Luchau
1994 Harry Lieber Glashütte
1995 Walter Martin Glashütte
1996 Gisela Jakowatz Dresden
1997 Dieter Ahrendt Glashütte
1998 Maik Leipnitz Dresden
1999 Andy Zscheile Lommatsch
2000 Günter Hofmann Glashütte
2001 Frieder Einhorn Glashütte
2002 Monika Hofmann Glashütte
2003 Bernd Hellner Offenbach
2004 Jörg Schlaubke Glashütte
2005 Sybille Paschold Johnsbach
2006 Rainer Paschold Johnsbach
2007 Günther Lieber Höckendorf
2008 Götz Gärtner Dresden
2009 Ralf Grundmann Dresden
2010 Frank Langner Bärenstein
2011 Siegfried Ziaja Glashütte
2012 Uwe Bahr Glashütte
2013 Konrad Messerschmidt Maxen
2014 Egon Herbrig Altenberg
2015 Andreas Schromm Luchau
2016 Jens Hujer Freital
2017 Grit Gärtner Dresden
2018 Christine Gärtner Dresden

Durch persönlichen Einsatz des Glashütter Bäckermeisters Joachim Lehmann, konnte die alte Vereinsfahne von 1812 wieder dem Verein zugeführt werden. Herr Lehmann wurde dafür Ehrenmitglied des Vereines. Als erstes Ehrenmitglied der Privilegierten Schützengesellschaft zu Glashütte/Sa. wurde jedoch der Bürgermeister der Stadt Glashütte Frank Reichel für seine Gründungsinitiative aufgenommen. Als drittes Ehrenmitglied wurde der Dresdener Rainer Pfandke für seine Unterstützung bei der Neugründung aufgenommen.

Somit kann man sagen, dass nach altem Brauchtum und Tradition mit der Wiedergründung ein aktives und geselliges Leben fortgesetzt wird.